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Beispiele aus dem Schulunterricht/TEACCH und verhaltenstherapeutische Elemente im Schulunterricht

Auch im Schulunterricht ergeben sich immer wieder Situationen, die durch den
Einsatz verhaltenstherapeutischer Elemente bzw. dem TEACCH-Ansatz behoben bzw.
vermieden werden können. Die aufgeführten Beispiele sind erdacht, jedoch
realistisch. Anhand der Beispiele soll verdeutlicht werden, wie o.a. Elemente
den Schulalltag vereinfachen können, auch Schüler ohne autistische Störungen
können durchaus von diesen Elementen profitieren.

Allgemein gesagt werden muss, dass viele autistische Kinder auch im Unterricht
eine direkte Ansprache brauchen. Häufig ist es günstig, wenn sie einen Sitzplatz
in den vorderen Reihen bekommen, so dass die Lehrkraft den Kontakt zum Kind
halten kann, bzw. bemerken kann, wenn es abgelenkt ist.

Viele autistische Kinder brauchen eine Art stereotype Unterstützung, die ihnen
hilft, sich zu sammeln und ruhig zu bleiben. Manche Kinder z.B. malen während
des Unterrichtes, folgen aber dennoch aufmerksam dem Unterrichtsgeschehen. Würde
man ihnen das Malen verbieten und ihnen somit ihr "Ventil" entziehen, würden sie
u.U. unruhig und hätten große Probleme sich auf den Schulstoff zu konzentrieren,
würden alles andere um sich herum viel zu deutlich wahrnehmen und somit
individuell auf diese Reizüberflutung reagieren.

Kinder mit Autismus-Störungen filtern ihre Umwelt nicht so, wie gesunde Kinder,
sie nehmen z.B. alles um sie herum in gleicher Lautstärke wahr, hören so
gleichzeitig das Reden anderer Kinder, den Vortrag des Lehrers, Geräusche von
Außen usw. Viele reagieren überempfindlich auf Gerüche oder sind sensorisch
überempfindlich. Das überdeutliche Wahrnehmen dieser diversen Einflüsse
verstärkt sich häufig, wenn die Kinder überreizt sind. Allgemein gibt es viele
Kinder, die z.B. bestimmte Lebensmittel ablehnen, da sie Geschmack, Konsistenz
oder Geruch nicht ertragen, so vielleicht nur eine ganz bestimmte Salami-Sorte
essen können, andere Kinder wiederum tolerieren nur bestimmte Kleidungsstücke,
z.B. ohne Aufdruck, ein bestimmtes Material, lange Ärmel.

Jedes Kind entwickelt seine eigenen Möglichkeiten sich dieser Reizüberflutung zu
entziehen, manche werden unruhig, manche ziehen sich zurück, manche folgen
verstärkt ihren Spezialinteressen oder stereotypen Handlungen.

Klare Strukturierung das Arbeitsplatzes des Schulkindes ist jedoch ein
notwendiges Muss, damit nicht noch zusätzlich Unruhe durch unnötiges Material
auf dem Tisch entsteht.

Immer wieder kommt es vor, dass sich Mitschüler über Sonderrechte autistischer
Kinder beschweren, z.B. darüber, dass das Kind malen darf, während alle anderen
nur zuhören dürfen. Hier hilft es, den Kindern zu erklären, wie die Wahrnehmung
eines autistischen Kindes verändert ist. Man kann ihnen dann anbieten in einem
kleinen Versuch so zu handeln, wie das autistische Kind. In diesem Falle z.B.
müssten alle Kinder ein Bild malen, während die Lehrkraft einen Vortrag über ein
Thema hält. Anschließend sollten die Kinder den Inhalt des Vortrages
zusammenfassen, aber natürlich auch ihr Bild fertig gestellt haben. Den meisten
Kindern wird das nicht gelingen und sie werden verstehen, dass ihre
Aufmerksamkeit sich auf eine Handlung bezieht, während das autistische Kind
unter diversen Handlungen wählt, die es ihm überhaupt möglich machen die
Konzentration zu halten.

Unstrukturierte Situationen im Schulunterricht sind für viele autistische Kinder
nur schwer zu ertragen. Sie erlernen meist sehr schnell den festen Tagesrhythmus
mit festem Stundenplan. Dieser Plan gibt ihnen eine Strukturierung vor. Es gibt
autistische Kinder, die darauf achten, ob die Schuluhr auch genau eingestellt
ist oder ob die Stunde auch genau eingehalten wird. Hier ist es z.B. hilfreich
direkt darauf hinzuweisen, dass es möglich ist, dass auch nach dem Klingeln noch
etwas notiert werden muss und die Unterrichtsstunde erst beendet ist, wenn die
Lehrkraft dies ankündigt.

Solange sich die Unterrichtsstruktur nicht verändert, wird das Kind sich regulär
seine eigene Handlungsstruktur erarbeiten. Schwierig wird es manchmal jedoch in
freien Situationen, z.B. Freiarbeit oder Gruppenarbeit. Hier müssen für das
autistische Kind genaue Anweisungen vorliegen. Die Aussage "Beschäftigt euch mit
Lektion 2" ist viel zu ungenau - "Was heißt *sich beschäftigen mit*?", "Welcher
Bereich von Lektion 2 ist gemeint?" Hilfreich wäre hier eine genauere Angabe wie
z.B. "Bitte lernt noch Vokabeln der Lektion 2 und lest euch Seite x-y noch
einmal durch".

Für schwerer betroffene Kinder ist es evtl. auch nicht möglich die Aussage
"euch/ihr" zu verstehen, da es sie nicht mit sich in Verbindung bringt, hier ist
eine direkte Ansprache des Kindes notwendig oder eine Aussage wie "alle Kinder
dieser Klasse".

Bei Gruppenarbeiten ist Hilfestellung notwendig, damit das Kind begreift, welche
Aufgaben in der Gruppe erledigt werden müssen und dass man miteinander
kommunizieren muss um miteinander zu arbeiten, evtl. muss dementsprechend kurz
erklärt werden, was von dem autistischen Kind erwartet wird, auch die anderen
Kinder der Gruppe sollten darauf aufmerksam gemacht werden, das Kind mit
einzubeziehen, es anzusprechen. Vielen autistischen Kindern fällt Gruppenarbeit
sehr schwer, viele Schulen handhaben es deshalb so, dass diese Kinder die
Gruppenarbeit alleine bearbeiten dürfen.

Unterrichtsausfall bzw. Lehrerwechsel durch z.B. Erkrankung der Lehrkraft sind
Ereignisse, die ein autistisches Kind sehr durcheinander bringen können und das
evtl. immer wieder. Dafür muss man sich verdeutlichen, dass das Kind zwar lernt
"Vertretungsstunde bedeutet, dass ein anderer Lehrer kommt", dennoch die
Situation immer wieder neu ist, da nicht jede Vertretungsstunde der gleiche
Lehrer kommt. Zudem herrscht in der Klasse vielleicht ein höherer
Lautstärke-Pegel, das Gewohnte ist nicht vorhanden und der Lehrer kennt
vielleicht das Kind nicht. Diese Situationen führen bei dem autistischen Kind
häufig schnell zu einer Stress-Situation, je nachdem auch mit deutlicher
Verhaltensauffälligkeit. Es kann schnell zu einer Überreizung kommen,
individuell ausgeprägt. Die Reaktionen können von Verweigerung, über Rückzug bis
zu Aggression, Weinen, Schreien oder Weglaufen reichen.

Dieser Situation kann man jedoch gut vorab begegnen. Dafür muss man verstehen,
dass genau diese unberechenbaren, neuen Situationen für autistische Kinder
schwer beherrschbar sind, sie führen zu Unsicherheit, Unruhe, da sie nicht den
bisher erlernten, gewohnten Situationen entsprechen. So kann man schon in
Vorbereitung evtl. auftretender Situationen jedoch eine gewisse Beherrschbarkeit
herstellen. Man kann dem Kind z.B. verschiedene Handlungsmuster an die Hand
geben. Wenn es z.B. ein Lieblingsbuch hat, dann kann man ihm sagen, dass es in
Freistunden darin lesen soll, man kann ihm zusätzliches Arbeitsmaterial für
evtl. Freistunden zur Verfügung stellen oder eine andere Tätigkeit anbieten, mit
der es den für