|
|
Spalte 1
| Spalte 2
| Spalte 3
Beispiele aus dem Schulunterricht/TEACCH und verhaltenstherapeutische Elemente im Schulunterricht
Auch im Schulunterricht ergeben sich immer wieder Situationen, die durch den Einsatz verhaltenstherapeutischer Elemente bzw. dem TEACCH-Ansatz behoben bzw. vermieden werden können. Die aufgeführten Beispiele sind erdacht, jedoch realistisch. Anhand der Beispiele soll verdeutlicht werden, wie o.a. Elemente den Schulalltag vereinfachen können, auch Schüler ohne autistische Störungen können durchaus von diesen Elementen profitieren.
Allgemein gesagt werden muss, dass viele autistische Kinder auch im Unterricht eine direkte Ansprache brauchen. Häufig ist es günstig, wenn sie einen Sitzplatz in den vorderen Reihen bekommen, so dass die Lehrkraft den Kontakt zum Kind halten kann, bzw. bemerken kann, wenn es abgelenkt ist.
Viele autistische Kinder brauchen eine Art stereotype Unterstützung, die ihnen hilft, sich zu sammeln und ruhig zu bleiben. Manche Kinder z.B. malen während des Unterrichtes, folgen aber dennoch aufmerksam dem Unterrichtsgeschehen. Würde man ihnen das Malen verbieten und ihnen somit ihr "Ventil" entziehen, würden sie u.U. unruhig und hätten große Probleme sich auf den Schulstoff zu konzentrieren, würden alles andere um sich herum viel zu deutlich wahrnehmen und somit individuell auf diese Reizüberflutung reagieren.
Kinder mit Autismus-Störungen filtern ihre Umwelt nicht so, wie gesunde Kinder, sie nehmen z.B. alles um sie herum in gleicher Lautstärke wahr, hören so gleichzeitig das Reden anderer Kinder, den Vortrag des Lehrers, Geräusche von Außen usw. Viele reagieren überempfindlich auf Gerüche oder sind sensorisch überempfindlich. Das überdeutliche Wahrnehmen dieser diversen Einflüsse verstärkt sich häufig, wenn die Kinder überreizt sind. Allgemein gibt es viele Kinder, die z.B. bestimmte Lebensmittel ablehnen, da sie Geschmack, Konsistenz oder Geruch nicht ertragen, so vielleicht nur eine ganz bestimmte Salami-Sorte essen können, andere Kinder wiederum tolerieren nur bestimmte Kleidungsstücke, z.B. ohne Aufdruck, ein bestimmtes Material, lange Ärmel.
Jedes Kind entwickelt seine eigenen Möglichkeiten sich dieser Reizüberflutung zu entziehen, manche werden unruhig, manche ziehen sich zurück, manche folgen verstärkt ihren Spezialinteressen oder stereotypen Handlungen.
Klare Strukturierung das Arbeitsplatzes des Schulkindes ist jedoch ein notwendiges Muss, damit nicht noch zusätzlich Unruhe durch unnötiges Material auf dem Tisch entsteht.
Immer wieder kommt es vor, dass sich Mitschüler über Sonderrechte autistischer Kinder beschweren, z.B. darüber, dass das Kind malen darf, während alle anderen nur zuhören dürfen. Hier hilft es, den Kindern zu erklären, wie die Wahrnehmung eines autistischen Kindes verändert ist. Man kann ihnen dann anbieten in einem kleinen Versuch so zu handeln, wie das autistische Kind. In diesem Falle z.B. müssten alle Kinder ein Bild malen, während die Lehrkraft einen Vortrag über ein Thema hält. Anschließend sollten die Kinder den Inhalt des Vortrages zusammenfassen, aber natürlich auch ihr Bild fertig gestellt haben. Den meisten Kindern wird das nicht gelingen und sie werden verstehen, dass ihre Aufmerksamkeit sich auf eine Handlung bezieht, während das autistische Kind unter diversen Handlungen wählt, die es ihm überhaupt möglich machen die Konzentration zu halten.
Unstrukturierte Situationen im Schulunterricht sind für viele autistische Kinder nur schwer zu ertragen. Sie erlernen meist sehr schnell den festen Tagesrhythmus mit festem Stundenplan. Dieser Plan gibt ihnen eine Strukturierung vor. Es gibt autistische Kinder, die darauf achten, ob die Schuluhr auch genau eingestellt ist oder ob die Stunde auch genau eingehalten wird. Hier ist es z.B. hilfreich direkt darauf hinzuweisen, dass es möglich ist, dass auch nach dem Klingeln noch etwas notiert werden muss und die Unterrichtsstunde erst beendet ist, wenn die Lehrkraft dies ankündigt.
Solange sich die Unterrichtsstruktur nicht verändert, wird das Kind sich regulär seine eigene Handlungsstruktur erarbeiten. Schwierig wird es manchmal jedoch in freien Situationen, z.B. Freiarbeit oder Gruppenarbeit. Hier müssen für das autistische Kind genaue Anweisungen vorliegen. Die Aussage "Beschäftigt euch mit Lektion 2" ist viel zu ungenau - "Was heißt *sich beschäftigen mit*?", "Welcher Bereich von Lektion 2 ist gemeint?" Hilfreich wäre hier eine genauere Angabe wie z.B. "Bitte lernt noch Vokabeln der Lektion 2 und lest euch Seite x-y noch einmal durch".
Für schwerer betroffene Kinder ist es evtl. auch nicht möglich die Aussage "euch/ihr" zu verstehen, da es sie nicht mit sich in Verbindung bringt, hier ist eine direkte Ansprache des Kindes notwendig oder eine Aussage wie "alle Kinder dieser Klasse".
Bei Gruppenarbeiten ist Hilfestellung notwendig, damit das Kind begreift, welche Aufgaben in der Gruppe erledigt werden müssen und dass man miteinander kommunizieren muss um miteinander zu arbeiten, evtl. muss dementsprechend kurz erklärt werden, was von dem autistischen Kind erwartet wird, auch die anderen Kinder der Gruppe sollten darauf aufmerksam gemacht werden, das Kind mit einzubeziehen, es anzusprechen. Vielen autistischen Kindern fällt Gruppenarbeit sehr schwer, viele Schulen handhaben es deshalb so, dass diese Kinder die Gruppenarbeit alleine bearbeiten dürfen.
Unterrichtsausfall bzw. Lehrerwechsel durch z.B. Erkrankung der Lehrkraft sind Ereignisse, die ein autistisches Kind sehr durcheinander bringen können und das evtl. immer wieder. Dafür muss man sich verdeutlichen, dass das Kind zwar lernt "Vertretungsstunde bedeutet, dass ein anderer Lehrer kommt", dennoch die Situation immer wieder neu ist, da nicht jede Vertretungsstunde der gleiche Lehrer kommt. Zudem herrscht in der Klasse vielleicht ein höherer Lautstärke-Pegel, das Gewohnte ist nicht vorhanden und der Lehrer kennt vielleicht das Kind nicht. Diese Situationen führen bei dem autistischen Kind häufig schnell zu einer Stress-Situation, je nachdem auch mit deutlicher Verhaltensauffälligkeit. Es kann schnell zu einer Überreizung kommen, individuell ausgeprägt. Die Reaktionen können von Verweigerung, über Rückzug bis zu Aggression, Weinen, Schreien oder Weglaufen reichen.
Dieser Situation kann man jedoch gut vorab begegnen. Dafür muss man verstehen, dass genau diese unberechenbaren, neuen Situationen für autistische Kinder schwer beherrschbar sind, sie führen zu Unsicherheit, Unruhe, da sie nicht den bisher erlernten, gewohnten Situationen entsprechen. So kann man schon in Vorbereitung evtl. auftretender Situationen jedoch eine gewisse Beherrschbarkeit herstellen. Man kann dem Kind z.B. verschiedene Handlungsmuster an die Hand geben. Wenn es z.B. ein Lieblingsbuch hat, dann kann man ihm sagen, dass es in Freistunden darin lesen soll, man kann ihm zusätzliches Arbeitsmaterial für evtl. Freistunden zur Verfügung stellen oder eine andere Tätigkeit anbieten, mit der es den für
ihn "leeren Raum" füllen kann. Wenn das Kind diese klare Handlungsanweisung "das zusätzliche Arbeitsmaterial ist für Stunden, in denen kein Lehrer anwesend ist" annimmt, wird es wenig Probleme während solcher Stunden haben. Evtl. kann man ihm auch anbieten - um evtl. Lärm der Mitschüler auszublenden - während dieser Stunde Musik über Kopfhörer zu hören. Wichtig ist auch, dass hierbei bedacht wird, dass es eine Person geben muss, die die zusätzlichen Arbeitsblätter auch nach Bearbeitung annimmt, damit sich dem Kind ein Sinn seiner Tätigkeit erschließt.
In den Pausen bietet es sich an, dem Kind einen Rückzugsraum zu gewähren und ihm zu zeigen, wo es Ansprechpartner findet, wenn es Hilfe benötigt. Vielleicht gibt es einen Bereich das Schulhofes, in dem es sich wohl fühlt und ein wenig Ruhe findet, vielleicht gibt es eine Bibliothek, in die es sich zurückziehen kann. Auch hier werden Mitschüler evtl. wieder von Sonderrechten des Kindes sprechen, wenn man ihnen aber wiederum anbietet jede Pause in der Bibliothek zu lesen anstatt sich mit Freunden zu unterhalten oder zu spielen, verstehen sie in der Regel sehr schnell, dass dieser Rückzugsort nicht unbedingt ein Privileg ist, das sie selber nutzen möchten.
Im Bezug auf verhaltenstherapeutische Elemente ist es wichtig, dass sich sämtliche Lehrkräfte für das Kind berechenbar verhalten. Das bedeutet, dass ungewünschte Verhaltensweisen des Kindes natürlich nicht ignoriert werden sollen, stattdessen sollte eine sinnvolle, im Zusammenhang stehende Konsequenz erfolgen, die immer gleich bleibt, egal welche Lehrkraft sich gerade mit dem Kind beschäftigt.
Ein Kind, das z.B. sehr hastig und undeutlich spricht, da es mit seinen Gedanken meistens schon voraus ist, allgemein aber durchaus in der Lage ist deutlicher zu sprechen, sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass Andere Probleme haben, es zu verstehen. Für Lehrer und Mitschüler ist es mühsam sich den Sprachauffälligkeiten anzupassen und somit kann von dem Kind verlangt werden, so zu sprechen, dass es alle verstehen können. Es wird die Notwendigkeit nicht immer einsehen, schließlich weiß es ja, was es sagen möchte und es wird davon ausgehen, dass alle verstehen, was es meint. Die Lehrkraft sollte dem Kind jedoch - in einem vertraulichen Gespräch - die Problematik erklären und eine Konsequenz ankündigen. Eine logische Konsequenz wäre hier, dass dem Kind vermittelt wird "Wenn Du undeutlich sprichst, werde ich Dich auffordern deutlicher und langsamer zu reden, solltest Du auch danach weiter undeutlich sprechen, werde ich einen anderen Mitschüler aufrufen."
Natürlich wird das u.U. zu Zorn bei dem autistischen Kind führen, nach einiger Zeit wird es jedoch lernen, dass der Vorgang "Ich melde mich und werde aufgerufen" verbunden ist mit "ich muss deutlich und langsam sprechen". Man kann dem Kind auch ein Karte zur Unterstützung auf den Tisch legen, die eine Handlungsanweisung beschreibt "Wenn ich im Unterricht etwas sage spreche ich langsam und deutlich" oder ihm (vorab als Signal vereinbart) z.B. eine farbige Karte zeigen, die es darauf hinweist, sobald es undeutlich spricht.
Der Einsatz von TEACCH muss sehr genau auf das jeweilige Kind bezogen sein. Nach Beobachtung der Lehrkräfte, welche Verhaltensweisen als störend oder auffällig empfunden werden bzw. in welchen Bereichen (z.B. der Selbstorganisation) das Kind Schwierigkeiten hat, kann man diverse Unterstützungen ausarbeiten.
Kinder, die mit dem Raumwechsel oder der Raumorientierung Probleme haben, könnten so z.B. für jeden Tag einen Stundenplan bekommen, auf dem genau aufgelistet ist, was es wann machen muss, bzw. wo es hin muss. Hier stände dann z.B. "1. Std. 8.00 - 8.45 Mathematik, Raum 105, erste Etage, an der Treppe rechts". Nach einiger Zeit genügt dann ein Plan auf dem nur noch steht "8.00 Mathematik, Raum 105" und wiederum nach einiger Zeit "1. Std. Mathematik", bis das Kind den Stundenplan und Raumverteilung erlernt hat.
Kinder die weinerlich oder aggressiv reagieren, fallen häufig sehr auf. Hier gilt es, die Auslöser zu finden, häufig sind sie in unseren Augen recht unspektakulär. Ein Kind, das z.B. plötzlich während einer Klassenarbeit gereizt reagiert oder beginnt zu weinen, ist nicht unbedingt durch den Stoff der Arbeit überfordert, vielleicht aber durch die Aufgabenstellung, möglicherweise ist Blatt zu eng beschrieben oder zu unstrukturiert oder es empfindet die Anweisungen als zu ungenau. Möglicherweise kann es auch einfach eine Aufgabe nicht lösen und hat deswegen Angst. Es gibt autistische Kinder, die nach Ausgabe der Arbeitsblätter in Sekundenschnelle sämtliche Aufgaben lesen und dann die Bearbeitung verweigern, weil sie sahen, dass sie eine Aufgabe nicht lösen können.
Hier würde es helfen, speziell für Klassenarbeiten eine Karte zu erstellen mit wieder genauen Anweisungen "Wenn Du eine Aufgabe nicht lösen kannst, überspringe sie und versuche sie als allerletzte Aufgabe erneut.", "Es kann passieren, dass man eine Aufgabe nicht lösen kann.", "Wenn Du Fragen hast oder unruhig bist, kannst Du den Lehrer ansprechen.". So kann man dieser Situation schon einiges an Angst nehmen. Um solche Situationen aufzuspüren braucht es manchmal ein wenig Geduld und natürlich vorher auch die ein oder andere Situation, in der es nicht so gut lief.
Auch das Erkennen sozialer Signale ist für autistische Kinder erschwert, sie können nur schwer Emotionen den Gesichtern anderer Menschen erkennen, so z.B. nicht unterscheiden, ob ein Lächeln freundlich, höhnisch oder "aufgesetzt" ist. Eher sortieren sie Gefühle bildlich, folgen dabei einem erlernten Muster, indem sie Lächeln mit Freundlichkeit, herabgezogene Mundwinkel mit Traurigkeit usw. verbinden.
Der Zugang zu den eigenen Gefühlen ist ebenfalls oftmals erschwert, auch wenn diese Kinder natürlich fühlen wie andere Menschen auch, so fällt es ihnen jedoch schwer diese Gefühle jeweils einzuordnen. Traurigkeit oder Enttäuschung kann so mit Wut verwechselt werden, manchmal zeigen sie auch paradoxe Reaktionen, die oft einer Hilflosigkeit entspringen, z.B. unangemessenes Lachen, wenn sich jemand verletzt. Sie erkennen zwar, dass sie z.B. traurig sind, können sich aber scheinbar nicht gut daran erinnern, wie sich Traurigkeit anfühlt, es scheint oftmals, als würde dieses Gefühl immer wieder neu erlebt. Es fällt ihnen dementsprechend schwer zu beschreiben, was sie empfinden, sie erinnern sich z.B. an eine für sie traurige Situation, scheinen aber nicht mehr nachempfinden zu können, wie sich dieses Gefühl bei diesem Ereignis tatsächlich anfühlte.
Im Schulunterricht ist
es so wichtig, dass die Lehrkraft deutliche Signale aussendet. Wenn z.B. in der Klasse große Unruhe herrscht, die Lehrkraft gereizt ist und der Tonfall irgendwann dementsprechend schärfer und lauter wird, so sind autistische Kinder häufig sehr überrascht, da sie die voranschreitende Stimmungsveränderung nicht mitbekommen haben. Deutliche Ankündigungen der Lehrkraft mit dementsprechender Äußerung "Es ärgert mich, dass die Klasse so laut ist, so kann sich niemand konzentrieren" und eventueller Ansage, welche Konsequenzen für die Schüler erfolgen, wenn der Lärmpegel nicht sinkt, können unterstützend wirken, dass das autistische Kind die soziale Situation besser einschätzen kann und sich auch auf dementsprechende Konsequenzen einlassen kann, selbst wenn es sich selber ruhig verhalten hat und nicht beteiligt war.
Viele autistische Kinder haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Sie halten sich an Regeln, die ihnen Sicherheit vermitteln. Gleichzeitig nehmen sie auch deutlich wahr, wenn sich z.B. Mitschüler nicht an diese Regeln halten. Die meisten autistischen Kinder sind zudem sehr ehrlich, sagen geradeheraus was sie denken und kritisieren Fehlverhalten Anderer. Für die Mitschüler ist diese Situation nicht immer einfach, da sie nicht verstehen, dass das Kind "ungeschriebene Gruppenregeln" nicht erkennt und oftmals sind sie verärgert, wenn sie vom jeweiligen Kind auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden oder das Kind eine Lehrkraft über das Fehlverhalten informiert.
Hier empfiehlt es sich, das Kind deutlich darauf aufmerksam zu machen, dass die pädagogische Leitung der Klasse bei der Lehrkraft liegt, es z.B. nur bestimmte Geschehnisse melden muss, z.B. Überschreitung der Schulordnung, Gewalt untereinander usw. oder aber Ereignisse, die sich auf sich selber beziehen und dass es sich darauf verlassen kann, dass Lehrkräfte die Handlungen der Klasse im Griff haben und dass es einige Handlungen gibt, die zwar nicht in Ordnung sind, aber nicht zwingend verfolgt werden müssen.
Strafen, die der ganzen Klasse auferlegt werden, kann ein autistisches Kind häufig nicht nachvollziehen, wenn die Klasse z.B. viel zu laut war, für diesen Fall für alle eine Zusatzaufgabe angekündigt wurde, so wird das Kind evtl. mit Verweigerung oder Wut reagieren, wenn es selber an der Unruhe nicht beteiligt war. Eine Vorab-Erklärung, dass die angekündigte Konsequenz alle Kinder der Klasse treffen wird, auch diejenigen, die sich ruhig verhalten haben, da im Nachhinein nicht feststellbar ist, wer im Einzelnen für die Unruhe verantwortlich war, wird das Kind eher einsehen lassen, warum es auch eine Zusatzaufgabe lösen muss.
Parallel zum ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden fällt jedoch immer wieder auf, dass das autistische Kind selber durchaus Fehlverhalten zeigen kann, evtl. auch ein Verhalten vergleichbar mit dem, das es bei einem Mitschüler als "verboten" einordnet. Ein Fehlverhalten bei sich zu erkennen und anzuerkennen fällt einem autistischen Kind sehr schwer, so ist es notwendig, es immer wieder auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen, bzw. mit immer der gleichen Konsequenz darauf zu reagieren. Ebenso schwer fällt es ihm zu erkennen, dass es ein Verhalten eines Mitschülers als störend empfindet, sich selber aber ähnlich verhält und sich Andere dadurch gestört fühlen.
Der Einsatz von TEACCH ist in allen erwähnten Bereichen möglich, man kann mit der Strukturierung, individuell dem Kind angepasst klein- oder großschrittig, mehr Selbständigkeit erreichen sowie unerwünschten Verhaltensweisen begegnen. Auch Kinder, die sich sehr angepasst verhalten, bzw. vielleicht auch zu ruhig sind, können so unterstützt werden.
Die Anpassung der jeweiligen Pläne muss den Möglichkeiten des Kindes entsprechen. Manche Kinder reagieren - gerade in Situationen der Überreizung - nur unzureichend auf Ansprache. Bei ihnen kann man Symbolkarten einsetzen. Wird es unruhig, kann eine Karte mit einem Stopp-Schild helfen, dass es sich selber wieder beruhigt, da ihm durch die Visualisierung deutlich gemacht wird, wie es sich verhält. Bei einem Kind, dass (noch) nicht in der Lage ist, sich selber wieder zu beruhigen, können zusätzliche Bemerkungen mit Handlungsanweisung auf der Stopp-Karte stehen, wie z.B. "Wenn ich wütend bin gehe ich leise aus dem Raum und beruhige mich auf dem Flur." oder "Ich zerknülle ein Blatt Papier, aber ich schreie nicht.". Eine Stopp-Karte kann auch allgemein im Unterricht eingesetzt werden, sie ist für jedes Kind verständlich und kann allen Kindern ein deutliches Signal geben.
Vielen Kindern helfen auch mit der Lehrkraft vereinbarte Signale, wenn es z.B. unruhig wird oder das Gefühl hat Hilfe zu brauchen. So kann der Lehrer z.B. mit dem Kind vereinbaren, dass es die Hand heben und kurz aufstehen soll, wenn es Hilfe braucht. Vorher sollte allerdings definiert werden was genau bedeutet "Hilfe brauchen", es könnte sonst geschehen, dass das Kind das vereinbarte Signal in jeder Situation, z.B. Probleme beim Lösen einer Aufgabe, Frage nach Rechtschreibung etc. verwendet. Oder es wird festgelegt, dass eine bestimmte Handbewegung oder farbige Karte sich an das Kind richtet, wenn es ein dementsprechend vorher besprochenes Verhalten zeigt, um ihm so zu verdeutlichen, dass der Lehrer sein Verhalten wahrgenommen hat, es nicht toleriert und dem Kind so das Signal gibt, sich unauffällig zu verhalten, autistische Kinder nehmen ihr Verhalten häufig ohne diese kleinen Erinnerungen nicht bewusst wahr.
Karten zur Eigen-Strukturierung können auch im Bereich der Arbeitsorganisation eingesetzt werden, z.B. eine Erinnerung daran, dass nur auf dem Tisch liegt, was gebraucht wird, dass es lesbar schreiben, ein Lineal benutzen oder sich regelmässig melden und am Unterricht beteiligen soll. Viele autistische Kinder melden sich z.B. nicht, wenn sie unsicher sind, ob ihre Antwort wirklich richtig ist und sprechen nur, wenn sie sich ganz sicher sind, dass die Antwort stimmt. Da alleine durch diesen Gedankenprozess schon Zeit vergeht, kommt ihr Entschluss sich zu melden häufig auch zu spät.
Zusammenfassend kann man sagen, dass viele, einfache Umgangsformen den Umgang mit dem Kind deutlich erleichtern, zudem erlernen autistische Kinder mit und mit neue Handlungsmuster. Wichtig ist, dass eine Zusammenarbeit und Austausch der Beteiligten stattfindet. So können Eltern auf vergleichbare Schwierigkeiten im häuslichen Bereich mit vergleichbaren Konsequenzen wie in der Schule reagieren.
Der Einsatz von Belohnungsplänen im häuslichen Bereich kann auch in der Schule sehr unterstützend wirken. So können - bei auftretenden Schwierigkeiten in der Schule - Vereinbarungen getroffen werden, welche größtmöglichen Erwartungen an das Kind gestellt werden können. Muss es wegen großer Unruhe mehrmals täglich die Klasse verlassen, so kann vereinbart werden, dass erreicht wird, dass das Kind nicht mehr als zwei Mal täglich die Klasse verlassen soll. Täglich kann dann in einem Heft z.B. mit einem "+" oder "-" dokumentiert werden, ob dieses Ziel erreicht wurde. Mit dem Kind wiederum muss vereinbart werden, was von ihm erwartet wird und welche Belohnung es in welchem Zeitrahmen erwartet. Wichtig ist, dass das Erreichen des Zieles realistisch bleibt. Bei einem Kind mit großer Unruhe, das in jeder Unterrichtsstunde u.U. mehrmals die Klasse verlässt, ist es sinnvoll kleinschrittig zu beginnen mit Zielen, die für das Kind erreichbar sind und die Belohnung für z.B. 3 erreichte Tage einer Woche am Ende der jeweiligen Woche einzusetzen. Mit der Zeit wird sich ein deutlicher Erfolg zeigen, wobei dem Kind immer wieder vermittelt werden muss, dass es selber erkennen kann, das es in der Lage ist sich zu steuern und Erfolge zeigt. So kann immer weiter ausgebaut werden, das Ziel weiter gesteckt werden, die Zeiträume können größer werden. Für diese Ansätze ist natürlich die Mitarbeit der Eltern und Lehrkräfte notwendig.
Ein Austausch über Erfolge oder auch Misserfolge hilft die therapeutischen Ansätze immer wieder individuell anzupassen und es zeigen sich regulär deutliche Erfolge in der Selbständigkeit des Kindes bzw. dem Rückgang unerwünschter Verhaltensweisen.
Hilfreich in der Schule ist der Einsatz eines Integrationshelfers. Das Kind kann so individuell begleitet und in seiner Selbständigkeit gefördert werden. Ein Integrationshelfer unterstützt es bei der Erarbeitung der notwendigen Strukturen, achtet darauf, dass es alle wichtigen Informationen wahrnimmt, kann eskalierende Situationen entschärfen oder vermeiden und ist sozusagen der "Dolmetscher des Kindes". Versteht es Aussagen nicht oder falsch, so kann ihm die richtige Aussage erklärt werden. Hat es Probleme mit Mitschülern in Kontakt zu kommen, so kann der Integrationshelfer behutsam den Kontakt zwischen den Kindern fördern, dafür die Stärken des Kindes nutzen. Er bekommt eher als das autistische Kind mit, dass sich noch ein anderes Kind in der Klasse sehr für z.B. bestimmte Sammelkarten interessiert und kann so versuchen beide Kinder in einen Kontakt zu bringen, der auf dem Austausch über diese Karten basiert. Ebenso kann er das autistische Kind eingrenzen und ihm verdeutlichen, dass z.B. seine Aussage gerade zwar ehrlich, aber verletzend war oder dass es Andere langweilt, wenn es immer nur über ein Thema berichtet.
Ebenso vermittelt eine Integrationskraft zwischen Mitschülern und autistischem Kind, kann erklären, warum das Kind gerade "so seltsam" reagiert hat.
Durch diese intensive Begleitung wird das Kind immer mehr eigenen Handlungsspielraum erlernen, flexibler werden und sich auch deutlich sicherer fühlen, es erlernen seinen Schultag selbständig zu strukturieren und in der Regel auch Kontakte aufbauen.
Zusammenfassend ist wichtig:
Konsequenzen müssen angekündigt sein und in direktem, zeitnahem Zusammenhang mit dem Fehlverhalten stehen.
|
|